Ist das Recruiting dem demografischen Wandel hilflos ausgesetzt?

VON
Philipp Wittgenstein
DATUM
May 7, 2020

Der Arbeitsmarkt ist aktuell stark in Bewegung. Zwischen dem durch den demografischen Wandel ausgelösten Fachkräftemangel und der Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung wird es immer schwieriger, die richtigen Mitarbeiter für das eigene Unternehmen zu finden und zu halten. Diese Entwicklungen werden von vielen Personalmanagern als problematisch angesehen, weil sie einen hohen Handlungsdruck auslösen und die gängigen Methoden und Rezepte versagen. In diesem Blogbeitrag wollen wir der Frage auf den Grund gehen, was Personaler tun können, um erfolgreich den Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken.

TIPP 1 VON 5

Aktiv mit (potentiellen) Mitarbeitern kommunizieren

Die erste Maßnahme scheint ziemlich simpel, wird jedoch längst nicht in allen Unternehmen umgesetzt: die aktive Kommunikation über die gesamte Employee Journey hinaus. Dies fängt in der Bewerbungsphase an und hört erst mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen auf. Eine einfache Anzeigenschaltung auf Stepstone und die interne Kommunikation über das Mitarbeitermagazin reichen einfach nicht mehr aus. Unternehmen müssen ihre Kommunikation auf allen Ebenen im Auge behalten und stetig optimieren. Da es in vielen Branchen jahrelang mehr Bewerber als Stellen gab, war Recruiting für Unternehmen lange Zeit ein Selbstläufer. Jetzt sind die Verhältnisse anders und es ist eine aktive Ansprache von potentiellen Kandidaten und Mitarbeitern sowie die Einführung marketing-getriebener Prozesse und Methoden in der HR erforderlich. Dies setzt voraus, dass Kommunikation primär aus den Interessen der Kandidaten und Mitarbeiter heraus betrieben werden muss und nicht aus dem, was das Unternehmen möchte oder sucht.

TIPP 2 VON 5

Chancen nutzen statt Risiken in den Vordergrund stellen

Die Digitalisierung ist für viele Unternehmen und Mitarbeiter eine der gefürchtetsten Veränderungen überhaupt. Da der Wandel jedoch schlichtweg nicht mehr aufzuhalten ist, müssen Personaler aufhören, ständig über die Risiken und Schwierigkeiten zu sprechen. Stattdessen sollten die vielen Möglichkeiten und Chancen gesehen und betont werden:

1. Durch den Einsatz von E-Learning Systemen können Mitarbeiter kostengünstig und effizient weitergebildet werden.

2. Prozesse, die derzeit aufwendig und kräftezehrend sind, können verändert oder automatisiert werden.

3. Augmented Reality kann die Komplexität mancher Aufgaben in der Fertigung senken. Dadurch kommen auch weniger qualifizierte Mitarbeiter für manche Aufgaben in Betracht, was wiederum die Einsatzmöglichkeiten erweitert.

4. CRM-Systeme (Candidate Relationship Management) ermöglichen den Aufbau langfristiger Beziehungen zu Kandidaten und vereinfachen den Bewerbungsprozess drastisch.

TIPP 3 VON 5

Prozesse entlang der Employee Journey optimieren

Auch in Bezug auf unternehmensinterne Prozesse können Personaler noch viel tun: Sechs von zehn Kandidaten brechen den Bewerbungsprozess ab, jedes vierte Unternehmen benötigt rund einen Monat, um auf eine Bewerbung zu reagieren und drei von zehn Kandidaten bekommen schließlich gar keine Rückmeldung. Die Zahlen sind deutlich: Personalabteilungen müssen sich unter anderem zum Ziel setzen, die Zeit zwischen dem ersten Interview und der Vertragsunterzeichnung auf maximal zwei Wochen zu verkürzen und sogenannte „Quick Wins” auszuloten. Dies könnte zum Beispiel bereits mit einer automatischen E-Mail nach Bewerbungseingang gelingen. Denn 51,5 Prozent der Bewerber setzen eine Eingangsbestätigung zu ihrer Bewerbung binnen 24 Stunden voraus.

TIPP 4 VON 5

Suchprofile erweitern und kreativ werden

Der sogenannte „War for Talents“ ist in vollem Gange und Unternehmen haben es zunehmend schwer, qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Alle Personaler fischen im selben Teich und versuchen, den perfekten Mitarbeiter für eine bestimmte Stelle zu finden. Hier sind mehr Kreativität und ein größerer Fokus gefragt. Es ist notwendig, die Suchprofile zu erweitern und auch Quereinsteiger oder ältere Mitarbeiter mit in den Bewerberpool aufzunehmen. Gerade ältere Mitarbeiter müssen länger in den Unternehmen gehalten und (ggf. unterstützt durch E-Learning oder AR) weitergebildet und entwickelt werden. Mithilfe von sogenannten „Relocation Kampagnen” können Unternehmen außerdem potentielle Mitarbeiter in ausgewählten Orten gezielt ansprechen, die sonst womöglich nicht auf den Arbeitgeber aufmerksam geworden wären. Auch können Unternehmen Teilzeitmodelle aktiv anbieten, um damit beispielsweise die Einstiegsmöglichkeiten für Mütter zu fördern.

TIPP 5 VON 5

Mitarbeiter stärker involvieren - Die Mitarbeitermarke

Obwohl sich die interne Kommunikation zu einer wichtigen Größe innerhalb von Unternehmen etabliert hat und viel Geld und Energie in Mitarbeiterkommunikation, Veranstaltungen und Incentivierungsmaßnahmen gesteckt wird, haben 85 von 100 Beschäftigten keine oder nur eine geringe Bindung an ihren Arbeitgeber. Die Mitarbeiter können sich immer weniger mit der Unternehmenskultur und den Werten identifizieren. Dies liegt unter anderem daran, dass sie nicht ausreichend in neue Prozesse und Entscheidungen mit einbezogen werden, was langfristig zu einer Unzufriedenheit im Unternehmen führt. Unternehmen müssen wieder mehr Relevanz in ihre Mitarbeiterkommunikation bekommen, die Wertschätzung gegenüber dem eigenen Unternehmen stärken und ihre Mitarbeiter zu Botschaftern des Unternehmens machen. Dies gelingt vor allem mit dem Aufbau einer Mitarbeitermarke. Diese bündelt sämtliche Aktivitäten unter einer Marke, schafft Synergien und löst Silos auf. Die Beteiligung der Mitarbeiter, zum Beispiel bei Redaktionssitzungen für die Mitarbeiterzeitschriften, gehört ebenso dazu, wie Weiterbildungsmaßnahmen oder das Sommerfest.

Fazit

Es gibt viele einfach umzusetzende Maßnahmen für Personalabteilungen, um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten. Außerdem können Personalengpässe oftmals auch durch die Digitalisierung und Automatisierung vieler Prozesse ausgeglichen werden. Dabei geht es weniger um Personalabbau sondern vielmehr um gezielte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, die mehr Effizienz bringen. Personaler müssen anfangen, die Chancen und Potentiale zu sehen, die Möglichkeiten des technologischen Fortschritts sinnvoll zu nutzen und die Veränderung unserer Altersstruktur positiv zu sehen. Unternehmen müssen sowohl neue Mitarbeiter rekrutieren als auch bereits bestehende Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen binden.

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